Die Johannes-Kantorei Merzhausen singt am So, 25.02.2018 um 10.00  im Gottesdienst in der Dietrich-Bonhoeffer-Gemeinde, Freiburg-Weingarten und um 17.00 Uhr  ist offenes, ökumenisches  Psalmensingen in St. Gallus Merzhausen.

Motette von Johann Philipp Kirnberger:

Vertonung von Psalm 137 „An den Flüssen Babylons“

 

Die Herkunfts- Kantate besteht aus 5 Teilen:  

 I. Chor: Zion klagt mit Angst und Schmerzen   II. Adagio    III. Fuga    IV. Motetto: "An den Flüssen Babylons"    V. [Furioso]. 

Auf youtube zu hören:

https://www.youtube.com/watch?v=BeG40fowOuk 

Kantate mit Orchester – das Chorstück ca. ab 7:43 – 10:45

Balthasar-Neumann-Ensemble & Balthasar-Neumann-Chor, Dirigent Thomas Hengelbrock

 

Historisches:

Johann Philipp Kirnberger (* 24. April 1721 in Saalfeld/Saale; † 27. Juli 1783 in Berlin) war ein deutscher Musiktheoretiker und Komponist. Kirnberger besuchte das Gymnasium in Coburg, lernte Violine und Cembalo, setzte nach der Schulzeit seine musikalischen Studien in Gräfenroda und Sonderhausen fort und weilte 1740/41 in Leipzig und Dresden. Danach war er ca. 10 Jahre in Polen mit verschiedenen Anstellungen als Cembalist, später als Musikdirektor „bey den Klosterjungfern des Bernadiner Ordens zu Reusch-Lemberg“. 1751 kehrte er nach Deutschland zurück und wurde schließlich 1758 Hofmusiker bei Prinzessin Anna-Amalia, der Schwester Friedrich des Großen in Berlin. Für sie war er musikalischer Berater und Kompositionslehrer. Daneben hatte er genügend Zeit zum Aufbau ihrer Musiksammlung und für seine eigenen Kompositionen und musiktheoretischen Arbeiten.

Durch seine Schriften, Kompositionen sowie seine Lehr- und Sammeltätigkeit war Kirnberger eine prägende Gestalt des Berliner Musiklebens der friderizianischen Ära und der Berliner Bach-Rezeption in der 2. Hälfte des 18. Jahrhunderts. Er war kein direkter Schüler J.S. Bachs, aber seine intensive Beschäftigung mit dem Werk Bachs macht ihn zu seinem "virtuellen" Schüler.

Durch Kirnbergers Sammeltätigkeit ist eine ganze Reihe von Werken Johann Sebastian Bachs überliefert – am bekanntesten ist die sogenannte Kirnberger-Sammlung mit den Choralbearbeitungen BWV 690–713.

Sein Kompositionsstil in den Liedern entsprach dem Kompositionsstil der ersten Berliner Liederschule; seine Instrumentalwerke waren beeinflusst von J.S. Bachs Musik, hatten einen strengen, manchmal altmodisch wirkenden Stil.

 

Einen Neuansatz, z.T. offenbar nach italienischen Vorbildern (B. Marcello) entwickelt,  bildeten die in seinen letzten Lebensjahren entstandenen großen Vokalwerke, namentlich die Psalmkantate „Zion klagt mit Angst und Schmerzen“ (vermutl. 1782).

Diese Kantate besteht aus  5 Teilen:    I. Chor: Zion klagt mit Angst und Schmerzen   II. Adagio III. Fuga    IV. Motetto: "An den Flüssen Babylons"    V. [Furioso].   Als vierten Teil der Kantate platziert Kirnberger den bereits früher von ihm vertonten Psalm 137  „An den Flüssen Babylons“ für vier Singstimmen, Streichinstrumente und Basso continuo. Als eigenständiges Tonstück war er bereits 1773 in Kirnbergers Danziger Publikation „Oden mit Melodien“ veröffentlicht worden.  Der Text von Psalm 137  im Chorsatz folgt der Übersetzung von Moses Mendelssohn(1729 -1786), dem Großvater von Felix Mendelssohn Bartholdy.  Der Komponist teilt den  Gesamttext in sechs Abschnitte auf, jeder mit Angaben zum „Affekt“, also zur erregten emotionalen Gestimmtheit.

 

Text und Unterteilungen der Motette  „An den Flüssen Babylons“ von J.P. Kirnberger

 

 „Eine tiefe Wehmut“

An den Flüssen Babylons saßen wir und weinten, überdachten Zions Fall.

Unsre Harfen hingen wir dort an Weidensträuchen, denn die uns ins Elend trieben, forderten Gesang von uns.

 

„Innere Kränkung des Gemüts“

Unglücksspötter heischten Freude: Singet uns Gesänge Zions!

Könnten wir Gesang des Herrn singen auf entweihtem Erdreich ?

 

„Melancholische Zärtlichkeit“

J’rusalem! Vergeß ich dein, so vergesse meine Rechte.

Meine Zunge kleb‘  am Gaumen, wenn ich deiner nicht gedenke;

Wenn bei jeder Fröhlichkeit dir nicht eine Zähre fleußt.

 

„Verwandelt sich in Zorn“

Gedenke, Herr, den Söhnen Edoms den Jammertag Jerusalems.

Verheere! riefen sie, verheere bis auf den tiefsten Grund.

 

„Und steiget bis zur Wut“

O du verstörte Tochter Babels: Heil dem, der dir vergelten wird, was du an uns verübst.

 

„Allegro“

Heil dem, der deine Brut ergreift und an dem Fels zerschlägt.


 

Psalm 137 in der Luther-Übersetzung: 

Klage der Gefangenen zu Babel

1 An den Wassern zu Babel saßen wir und weinten, wenn wir an Zion gedachten. 

2 Unsere Harfen hängten wir an die Weiden im Lande. 

3 Denn dort hießen uns singen, die uns gefangen hielten, und in unserm Heulen fröhlich sein: »Singet uns ein Lied von Zion!« 

4 Wie könnten wir des HERRN Lied singen in fremdem Lande? 

5 Vergesse ich dein, Jerusalem, so werde meine Rechte vergessen. 

6 Meine Zunge soll an meinem Gaumen kleben, wenn ich deiner nicht gedenke, wenn ich nicht lasse Jerusalem meine höchste Freude sein. 

7 HERR, vergiss den Söhnen Edom nicht den Tag Jerusalems, / da sie sagten: »Reißt nieder, reißt nieder bis auf den Grund!« 

8 Tochter Babel, du Verwüsterin, wohl dem, der dir vergilt, was du uns getan hast!

9 Wohl dem, der deine jungen Kinder nimmt und sie am Felsen zerschmettert!

Zur Jüdische Geschichte und Kultur folgen hier einige Abschnitte (aus einem Projekt des Lessing-Gymnasiums aus Döbeln).

….  Die Babylonische Gefangenschaft (586- 538 v.Chr.) entstand in Folge der Eroberung des Staates Juda durch den neubabylonischen König Nebukadnezar II.. Nachdem Juda seinen Vasalleneid gegen Nebukadnezar brach, verlor es 597 v.Chr. seine Unabhängigkeit.

 

Bild: Die Bewohner - einer israelitischen Stadt werden von Eroberern in die Gefangenschaft getrieben (Relief aus Nimrud 8. Jh. v. Chr., London, British Museum)

Der König und die Oberschicht des Landes (Handwerker und Kaufleute) wurden in die Verbannung nach Babylonien geführt - Deportationen gehörten zu den Machtmitteln altorientalischer Herrscher. Zehn Jahre später wagten die Juden erneut den Aufstand, im Vertrauen auf ägyptische Hilfe. Dieser Aufstand scheiterte und Nebukadnezar ließ die Hauptstadt Jerusalem zerstören. Nochmals wurden schätzungsweise 45 000 Menschen nach Babylon zwangsumgesiedelt. Die Verbannten wohnten in geschlossenen Siedlungen; ihr nationaler Zusammenhang blieb gewahrt und ihre Hoffnung auf Rückkehr ins eigene Land erhalten. Sie wurden nicht zur Aufgabe ihrer religiösen Bräuche gezwungen und unterlagen keinen Sondergesetzen. Die Berufsvielfalt der Israeliten wurde in Babylonien weiter gepflegt (Landwirtschaft, Handel und Verwaltung).

Die babylonische Eroberung beendete das erste jüdische Staatswesen, das auch als die Zeit des Ersten Tempels bekannt geworden ist, nicht jedoch die Verbundenheit der Juden mit ihrem Land. "An den Wassern zu Babel saßen wir und weinten, wenn wir an Zion gedachten", sangen sie. "Vergesse ich dich, Jerusalem, so verdorre meine Rechte. Meine Zunge soll an meinem Gaumen kleben, wenn ich deiner nicht gedenke, wenn ich nicht lasse Jerusalem meine höchste Freude sein" (Psalm 137,1.5.6).

Das babylonische Exil ist der Anfang der jüdischen Diaspora ("Zerstreuung"). In diesen Jahren wurde der Grundstein für den Judaismus als eigenständige Kultur und Lebensanschauung außerhalb des Landes Israel gelegt, der letztlich das nationale und spirituelle Überleben des Volkes sicherte und es als Nation vor dem Aufgehen in seiner Umwelt bewahrte.

 

Informationen u.a. aus: vd. Musiklexika, sowie

http://www.ortus-musikverlag.de/de/varia/om213

http://www.judentum-projekt.de/geschichte/altertum/babylon/index.html

 

(siehe auch:  https://de.wikipedia.org/wiki/Babylonisches_Exil )