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Sa, 23.2. 2019, 18 Uhr, Kirche St-Gallus Merzhausen:

 

Kantaten-Gottesdienst mit J.S. Bach (1685 - 1750) „Herr Jesu Christ, wahr Mensch und Gott“ (BWV 127)

 

Solisten/Solistinnen

Projektorchester

Johannes-Kantorei Merzhausen

Jonathan Förster, Leitung


Die Choralkantate BWV 127 schrieb Bach in seinem zweiten Amtsjahr in Leipzig für den Sonntag Estomihi, den Sonntag vor Aschermittwoch, und führte sie am 11. Februar 1725 erstmals auf. Der Kantatentext basiert auf dem Sterbelied in acht Strophen von Paul Eber (1562). Das Lied betrachtet den Weg Jesu nach Jerusalem als Vorbild für den Weg des Glaubenden zu seinem eigenen erlösten Ende. Auch für den Bach-affinen Musikfreund ist es immer wieder erstaunlich, wie es der Thomaskantor schaffte, mit immer neuen Ideen seinen Zuhörern neue Welten zu erschliessen. Die Kantate berührt den Rand aller Welten, den Tod nämlich, und vermittelt in der Sopranarie Nr. 3 „Die Seele ruht in Jesu Händen“ etwas wie ein musikalisches Nahtod-Erlebnis. Die Arie zeichnet sich durch eine erlesene Instrumentation aus: Eine Solooboe und der Sopran bilden ein Duett, der Hintergrund besteht aus delikaten Akkorden der Blockflöten und des Continuo, die Sterbeglocken symbolisieren sollen. Im Rezitativ Nr. 4, das sich zur ausgewachsenen Bassarie entwickelt, der eine Solotrompete besonderen Ganz verleiht, überschreitet die Kantate dann diesen Rand: In beinahe zügelloser Freude darf ein kurzer Blick in die Ewigkeit geworfen werden. Und das alles geschieht innerhalb von rund zwanzig Minuten! Sie weist enge Beziehungen zur Johannespassion auf, die in ihrer zweiten Fassung am Karfreitag 1725 erklang. Die Kantate gehört in formaler Hinsicht und in Blick auf Textausdeutung und Instrumentation zu den erstaunlichsten Vokalwerken Bachs. Schon der Eingangschor stellt mit seiner vielschichtigen Konstruktion eine würdige Vorstufe für die Choralfantasie „O Mensch bewein dein Sünde groß“ dar. Bei den Textworten „Ich breche mit starker und helfender Hand“ wird unverkennbar der Chor „Sind Blitze, sind Donner in Wolken verschwunden“ aus der Matthäuspassion vorweggenommen.

Jonathan Förster

 

Im Konzert am So, 25. Nov. 2018 ist das zentrale Musikwerk:

 

"Hail! Bright Cecilia" , auch als "Ode to St. Cecilia" bekannt,

  von Henry Purcell (1659-1695)

 

Dazu einige Informationen hier:

 

Henry Purcell – Ode on St. Cecilia´s Day

Die heilige Cäcilia, Schutzpatronin der Kirchenmusik, der Musik allgemein und der Musiker, lebte im frühzeitlich Rom um 200 n.Chr. Der Heiligenlegende nach hatte sie sich Christus versprochen, wurde aber von ihren Eltern mit dem heidnischen Römer Valerianus verheiratet, den sie auch umgehend bekehrte. Als die Christenverfolgung dessen gewahr wurde, ertappte sie Cäcilia prompt bei der Bekehrung ihres Personals. Das Bad in heißem Wasser konnte ihr nichts anhaben, und auch der Henker verfehlte bei der Hinrichtung mit dem Schwert sein Ziel, worauf sie schwer verwundet noch drei Tage lebte. Obwohl ihr Märtyrertod und ihr Zeugnis zum christlichen Glauben in Zeiten der Verfolgung außer Frage stehen, wurde sie dennoch vielleicht nur durch ein Missverständnis zur Fürsprecherin der Musik gemacht. In der Liturgie lautet nämlich die gregorianische Antiphon zu ihrem Gedenktag, dem 22.November:

Cantantibus organis,

Caecilia Virgo in corde suo

soli Domino decantabat, dicens:

(Während des Spiels der Instrumente

sang die Jungfrau Cäcilia in ihrem Herzen

unablässig nur dem Herr, sie sprach:)

Fiat, Domine,

cor meum immaculatum,

ut non confundar.

(Es sei, Herr,

mein Herz untadelig,

damit ich nicht zuschanden werde.

Nun kann man den Anfang aber auch gänzlich anders übersetzen: z.B. antithetisch mit „Obwohl die Instrumente spielten“! Organum kann in diesem Zusammenhang auch Orgel bedeuten, welche zu dieser Zeit ein heidnisches Instrument war. D.h. Cäcilia ließ sich von der heidnischen Musik nicht stören bei ihrer Zwiesprache mit dem Himmel. Gerade das letzte Bild wurde sehr interessant von Raffaello Santi dargestellt, ein Öl-Gemälde, auf dem Cäcilia eine Orgel nach unten hält, so dass schon einige Pfeifen herausfallen!

Wie dem nun auch sei, heute gibt es als wichtige Institution für die Kirchen-musik und das katholische (Kirchen-) Chorwesen den Allgemeinen Cäcilien-Verband für Deutschland, 1868 gegründet. Eben um diese Zeit wirkte die sog. Cäcilienbewegung: ein Sich-Besinnen auf die grundsätzlichen Funktionen und damit verbunden eine Einigung auf eine gewisse Qualität der Musik im Gottesdienst, um zu starke weltliche Einflüsse, v.a. von der Oper, zu verhindern. Komponisten wie Franz Xaver Witt oder auch Joseph Gabriel Rheinberger schreiben im Stil der klassischen Vokalpolyphonie, Palestrina wird als „Retter der Kirchenmusik“ zum Vorbild erhoben, was den reinen Ausdruck, Textverständlichkeit, reiner A-Capella-Gesang usw. anbelangt.

Auf evangelischer Seite erwarb sich Ludwig Schöberlein durch die Herausgabe der Zeitschrift Siona und durch Überarbeitung einstimmiger Choräle zu mehrstimmigen, polyphonen A-cappella-Stücken große Verdienste.

Nun aber ein Blick nach England am Ende des 17.Jh.: Die Londoner „Musical Society“ beschloss im Jahre 1683, auch in England einen feierlichen „Cäcilientag“ zu begehen, wie er z.T. aus dem Festland-Europa schon bekannt war. Mit einem Predigt-Gottesdienst mit großer Festmusik und anschließen-dem Bankett! Dazu vergab die Society Auftragskompositionen an namhafte Komponisten. U.a. auch an Händel (1739), Henrys Bruder Daniel Purcell (1693 und 1698) und Charles Burney (1759). Bereits zu Beginn der Festtradition lieferte H.Purcell ein „Laudate Ceciliam“, eine kleinbesetzte Motette mit Gesang. 1692 folgte die große Ode on (oder auch „for“) St. Cecilia´s Day, die lange Zeit an Beliebtheit und Geltung unübertroffen blieb.

Über Henry Purcells Leben ist nicht allzu viel bekannt. Aufgewachsen und musikalisch gebildet als Chorknabe (u.a. Schüler von Matthew Locke) und Kustos der Instrumente der Chapel Royal um König Charles II. wirkte er ab 1683 an der Westminster Abbaye. Sein verfrühter Tod im Alter von nur 36 Jahren ist wohl auf die Folgen einer Erkältung zurückzuführen, die er sich zuzog, als er wegen Zu-spät-Kommens von seiner Frau ausgesperrt wurde…

Sein aber doch sehr umfangreiches Gesamtwerk umfasst Klaviermusik (v.a. Suiten), Solo-Werke, Kammermusik, Opern (Dido und Aeneas, King Arthur) und eine Fülle von Kirchenmusik für nahezu jede Besetzung, von kleinen geistlichen Arien oder Duetten und Chormotetten bis zu äußerst ergreifenden Werken wie z.B. die Funeral Sentences für Queen Mary 1695.

Der Text der Cäcilienode stammt von Nicholas Brady, der sich wiederum an ein geistliches Poem von John Dryden anlehnt. Dessen „A Song für St. Cecilia´ Day in 1687“ bedient gleichsam alle romantisch-legendenhaften Bilder rund um Cäcilia und die Musik. Brady hebt die Entstehung, den Charakter und die Persönlichkeit der einzelnen Instrumente hervor, die Purcell mit der Musik zu nahezu dramatischen Personen werden lässt (z.B. The Airy Violin).

Eröffnet wird die Ode mit einer Ouvertüre, wie eine Oper, dann folgt ein großer Chor. In der Mitte des Werkes verdichten sich die Choreinsätze und am Schluss darf natürlich das Finale nicht fehlen, mit Pauken und Trompeten!

Dazwischen wechseln Soloarien mit Duetten und Terzetten, oft tritt das jeweils besungene Instrument solistisch dazu. Auch die Orgel als Cäcilias Attribut darf nicht fehlen.

So ist Purcells Ode eine Hymne auf die Musik an sich. Selten zu hören vielleicht deshalb, weil sie sich nicht ganz einfach in einen Gottesdienst liturgisch einfügen lässt und der Text nun auch weniger die Märtyrerin als vielmehr die Musik als solche in den Fokus nimmt.

S.P.